Diakonie bildet Gemeinde (PGP 4/2012)

Praxis Gemeindepädagogik, Ausgabe 4/2012

Zeitschrift für evangelische Bildungsarbeit

Die diakonische Dimension christlicher Gemeinde und der kirchlich-gemeindliche Bezug diakonischen Handelns sind in der Theorie und in »Sonntagsreden« unbestritten. Selbstverständlich gehört dann dazu auch noch die Dimension von Bildung und Bildungsgerechtigkeit.

Die Praxis sieht allerdings vielfach anders aus: Diakonie ist längst Institution für sich, soziales diakonisches Handeln ist hoch spezialisiert, professionalisiert, sozialstaatlich refinanziert; manche diakonische Einrichtung ist eher ein Wohlfahrtskonzern, dessen Qualität sich vorrangig am wirtschaftlichen Erfolg in Konkurrenz zu anderen wohlfahrtspflegerischen sowie privatwirtschaftlichen Unternehmen zeigen muss. Kirchlich-gemeindliches Handeln wiederum konnte das Diakonische delegieren an Einrichtungen – Gemeindeschwestern- und Sozialstationen, Beratungsstellen und Aktionsgruppen – und sich diakonisch zurückziehen.

Die Plausibilität dieser Versäulung wird zunehmend angefragt: aus gesellschaftspolitischer, bildungstheoretischer und bildungspraktischer, aber auch aus theologischer, diakoniewissenschaftlicher und kirchentheoretischer Perspektive. Das ist auch für die Gemeindepädagogik bzw. Gemeindediakonie von großer Bedeutung.

Gerade wenn man einen Blick auf die historischen und konzeptionellen Herkunftsbezüge der in den 1970er Jahren entwickelten Konzepte von Gemeindepädagogik bzw. -diakonie wirft, zeigen sich die diakonischen Wurzeln der Gemeindepädagogik sowie der kirchlich-gemeindliche Bezug des modernen Diakonats. Denn zu den Vorläufern der modernen Gemeindepädagogik/-diakonie zählen Berufe an der Schnittstelle von Diakonie, Bildung und Gemeinde: Kinderdiakoninnen und Erzieherinnen, Katechetinnen, Diakonissen, Diakoninnen und Diakone, Jugendwarte, Gemeindehelferinnen und Gemeindehelfer, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter.

Der Blick in die gesellschaftlichen Bezüge bestätigt die Tendenz, das Wechselverhältnis von Bildung (Pädagogik) und sozialem Handeln (Diakonie) stärker zu beachten: Die Bewältigung nahezu sämtlicher Lebensvollzüge ist heute bildungsbezogen.

Die Kehrseite: Gerade diejenigen, die herkunftsbedingt nur wenige oder ungünstige Bildungsanregungen erfahren, sind systematisch benachteiligt. Oft ein Leben lang. Das drängt auf den wechselseitigen Bezug von Bildung und Diakonie. Kirchengemeinden bieten dafür sozusagen den zivilgesellschaftlichen Background. Aus diesen unterschiedlichen Zusammenhängen ergibt sich unter anderem die These: Diakonisches Engagement gehört wesenhaft zur Gemeindepädagogik und Bildung ist eine wesentliche Dimension von Diakonie.

Wie sich das konkret in der Praxis darstellt, ist allerdings immer wieder neu auszuhandeln und zu entwickeln. Dazu will das vorliegende Heft der Praxis Gemeindepädagogik beitragen: Einblick geben in Praxisansätze, Anstöße geben für die Reflexion der eigenen Praxis, Hintergründe nennen, um Argumente für Veränderungen zu haben und Entwicklungen voranzutreiben …

Wie immer gilt: Es handelt sich um Momentaufnahmen, Anstöße, Impulse. Weitergehende Anregungen, Rückfragen und Hinweise, die bei der Lektüre kommen, sind sehr willkommen.


Inhaltsverzeichnis PGP 4/2012


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