Gewänder

Quatember, Heft 3|2020

Frank Lilie, Sabine Zorn, Matthias Gössling i.A. der Evangelischen Michaelsbruderschaft, des Berneuchener Dienstes und der Gemeinschaft St. Michael. Roger Mielke (Schriftleitung),

Quatember 84 (2020) 3

»Gott muss Hüllen anlegen, um sich zu äußern, so verbirgt er sich in seiner Schöpfung.« – heißt es bei Karl Bernhard Ritter, Stifterbruder des Evangelischen Michaelsbruderschaft. So schwingt im Heftthema auch die grundlegende Dimension der Verborgenheit und (Selbst-)Entbergung Gottes in Schöpfung und Geschichte mit. Erst von hier aus können wir uns dem annähern, dass der Mensch, ursprünglich nackt geschaffen, durch den tiefen Bruch der Sünde des Gewandes bedürftig wird. Zwischen Scham und Schmuck changiert das Gewand seitdem. Und auch der Mensch des neuen Bundes wird in das weiße Gewand der Taufe gekleidet, um schließlich in der Vollendung »überkleidet« zu werden (2. Kor 5,2.4). Erst in diesem ebenso theologischen wie anthropologischen Resonanzraum kommt auch die Frage nach den liturgischen Gewändern zum Klingen: Weißer Talar oder schwarzer, oder doch in Verzicht auf jede falsche Sakralisierung der dunkle Anzug? Das Habit der monastischen Gemeinschaften oder der sorgsam populärkulturelle Style und Dresscode der globalen Megachurches? In Gewändern verdichten sich dann auch Identitäten und Narrative, Projekte und Entwürfe. Und nicht zuletzt: Was bedeuten eigentlich globale Ausbeutungsverhältnisse in der Bekleidungsindustrie für christlich verantworteten Umgang mit den Gewändern, wenn das Evangelium auf einen einfachen Lebensstil zielt? Das Quatemberheft fragt in diesen Spannungsfeldern nach einer Spiritualität des Gewandes für Einzelne, Gemeinschaften und die Kirche.

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